Ökosystem Faultierfell

Dass Faultiere durch ihren runden Kopf mit dem flachen Gesicht und den kleinen, runden Ohren ein bisschen so aussehen, wie ein lustiger oder erstaunter Kobold, wissen wir ja bereits. Doch ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass das Fell eines Faultiers etwas ganz Besonderes ist? Von Katzen oder Hunden sind wir es gewohnt, dass der Scheitel des Fells entlang der Wirbelsäule auf dem Rücken verläuft. Das sieht bei Faultieren ganz anders aus! Bei ihnen befindet sich der Scheitel auf der Mittellinie von Brust und Bauch. Diese Anpassung beruht auf der außergewöhnlichen Körperhaltung unserer Lieblingstiere. Wassertropfen bleiben so nämlich nicht auf dem Bauch im Fell der Tiere hängen, sondern können ohne Probleme an beiden Seiten herablaufen.

Bei genauerem Hinsehen fällt außerdem auf, dass das Fell der Energiespartiere eine leicht grünliche Färbung besitzt. Als erstes könnte man denken, dass diese Entwicklung eine Laune der Natur ist, um das Faultier optimal in den Baumkronen zu tarnen. Allerdings handelt es sich in Wahrheit um eine echte Symbiose zwischen Faultier und Grünalgen! Und letztere sind nicht die einzigen Mikroorganismen, die von dieser Lebensgemeinschaft mit beiderseitigem Nutzen profitieren. Auch Arthropoden und Pilze besiedeln die Haare im Ökosystem Faultierfell, die feine, wassergefüllte Rillen besitzen. Dadurch werden sie vom Faultier zum Licht getragen. Also eine klare Win-Win-Situation!

Auch Motten wohnen im Fell unserer Lieblingstiere zur Untermiete. Die sogenannte Pyralidmotte gehört zur Gattung Cryptoses und kann ohne das Faultierfell gar nicht leben! Jedoch sind die Motten relativ anspruchslose und angenehme Bewohner. Sie schädigen dem Faultier nicht, da sie sich nicht von ihm ernähren. Im Gegenteil: der Lebenszyklus der Pyralidmotten ist vollständig vom Lebenszyklus des Faultiers abhängig. Wenn der seltene Fall eintritt, dass das Dreifingerfaultier von seinem Baum steigt, um sich am Urwaldboden zu erleichtern, verlassen die befruchteten Motten ihr Zuhause und legen ihre Eier in den frischen Exkrementen ab. Dort können sich die Larven vollständig entwickeln, bevor sie sich als ausgewachsene Motte im Kronendach ein eigenes Faultierfell suchen, um sich darin zu paaren. Worin genau der Nutzen von dieser Verbindung für das Energiespartier liegt, ist derzeit noch unklar. Allerdings lässt sich vermuten, dass es bestimmte Nährstoffe von den Motten erhält.

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